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Behinderung

Der Begriff der Behinderung verweist auf ein soziales Phänomen, das typisch ist für moderne Industriegesellschaften. Man kann eine solche moderne Industriegesellschaft auf sehr unterschiedliche Weise charakterisieren. Wenn man sich darüber Gedanken macht, was Behinderung ist, dann scheint das ausgeprägte Bedürfnis unserer Gesellschaft, alles und jedes zu normieren, ein zentrales Spezifikum zu sein. Papierformate, Metallgewinde, die Abstände von Handtuchhaltern im Kindergarten, die Abmessungen der Bettwäsche, Konfektions- und Schuhgrößen, der Rauch aus dem Kamin, das Maß einer Türe, die Breite eines Krankenhausflures, ist all das normiert.


Wer Kinder hat, der weiß, dass auch die Maße unserer Kinder normiert sind: Die Vorsorgepässe, die die Krankenkassen verteilen, enthalten Kurven, zum Beispiel für den Umfang des Kopfes oder die Entwicklung des Gewichtes. So ergeben sich Normkorridore, die uns sagen, ob unser Kind normal ist oder nicht. In der Schule gibt es normierte Leistungsvorgaben usw.

 

Behindert ist man, allgemein gesprochen, wenn man aus solchen Normen, die sozial, wirtschaftlich und kulturell geprägt sind, nicht oder nur teilweise entspricht.

 

Diese normativen Vorgaben sind ambivalent: Die Abweichung von einer Norm kann einerseits diskriminierende Folgen zeitigen. Andererseits sollte sie eine spezifische Unterstützung nach sich ziehen, die ein Kind, das den Standardanforderungen nicht genügen kann, benötigt, um gerade nicht aufgrund seiner Besonderheit Diskriminierung zu erfahren.

 

Ebenso ambilvvalent ist der Begriff der Behinderung: Er kann diskrimierend verwendet werden. Er kann verwendet werden, um Diskrimierung zu verhindern.



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